Mehlschwalbe (Foto: K. Karkow)
Mehlschwalbe (Foto: K. Karkow)

Schwalbenzählung

Jährliche Datenerhebung

Seit der Antike gelten Schwalben als Glückbringer. Wo sie ihr Nest bauen, bringen sie den Bewohnern des Hauses Glück und Frieden. Viele Nistplätze gehen jedoch heute durch  Gebäudesanierungen verloren. Mit der Folge, dass es in einigen Regionen überhaupt keine Schwalben mehr gibt oder ihr Bestand sich stark verringert hat.

Die NABU Gruppe Stuttgart führt seit 1973, also über vierzig Jahre, jeweils in der Zeit von Ende Juni bis Mitte Juli Zählungen der Schwalbenbestände in Stuttgart durch. Mehlschwalben werden in 22 Stadtteilen an ca. 370 Adressen erfasst. Rauchschwalben-Vorkommen werden in 18 Stadtteilen an 53 Stellen erhoben. Anhand dieser Daten lässt sich die Bestandsentwicklung der Schwalben in einzigartiger Weise dokumentieren. Die Zählungen zeigen, wo Bestände akut bedroht sind und wo Artenschutzmaßnahmen durchgeführt werden können.

Ansprechpartner:

Michael Schmolz

michael.schmolz@t-online.de


Stuttgart verliert seine Schwalben

Hunger und Wohnungsnot: Bestand hat sich halbiert

Im Dezember 2017 erschien eine umfassende Auswertung aller Daten aus den Jahren 1974 bis 2016, die im Auftrag des Amts für Umweltschutz Stuttgart von Dipl. Biologe Michael Schmolz erstellt wurde. Diese "Ergebnisse eines Langzeitmonitorings von Brutbeständen der Mehlschwalbe (Delichon urbicum) und Rauchschwalbe (Hirundo rustica) in Stuttgart" steht unten zum download bereit.

Die Schwalbenzählung des NABU Stuttgart ist in diesem Umfang über einen so langen Zeitraum ein einmaliges Projekt. Seit 1973 wurde dies möglich dank dem großartigen ehrenamtlichen Engagement der Zählenden.

Die Daten geben ein katastrophales Bild für den Schwalbenbestand in Stuttgart:

In den letzten 20 Jahren hat sich der Bestand der Mehlschwalbe etwa halbiert, in vier Stadtteilen ist sie mittlerweile ganz verschwunden, in anderen steht ihr Verschwinden kurz bevor. Die Rauchschwalben haben ebenfalls, aber nicht ganz so stark gelitten.

 Was ist passiert?

Kernproblem beider Arten vor Ort ist Nahrungsmangel, den die intensive Landwirtschaft zu verantworten hat: Schwalben ernähren sich von Insekten und sind vom Insektensterben umittelbar betroffen.
Der Mangel an Nistmöglichkeiten nimmt in der Großstadt weiter zu. Auch werden Nistplätze immer rarer: Rauchschwalben brüten gerne in Gebäuden, wo sie frei ein und ausfliegen können, und mit jedem Stall und jeder Scheuer verschwindet eine potenzielle Schwalbenheimat. Mehlschwalben bauen ihre Nester außen an den Häusern, doch das dulden immer weniger Hausbesitzer bzw. achten bei Neubauten und Sanierungen nicht auf die Schwalben, obwohl an diesem Punkt gut angesetzt werden könnte: In den Stadtteilen mit Schwalbenvorkommen werden die Jungen aktuell sogar häufiger in Kunstnestern großgezogen, die außen am Haus oder im Gebäude angebracht werden, als in Naturnestern.

 

Was können Sie tun?

Es ist wichtig, Nester schnell zu ersetzen, wo sie durch Sanierungen oder Bebauungen weichen müssen. Und es kann sinnvoll sein, in Stadtteilen, wo Schwalben verschwunden sind, Kunstnester zu installieren. Sprechen Sie uns bitte an: Wir beraten und helfen in Schwalbenfragen.
Setzten Sie sich für einen blühende Stadt ein, denn wo Blumen blühen, kommen Insekten vor – Schwalben und andere von Insekten abhängige Lebewesen müssen dann nicht hungern. Gärtnern Sie ohne Gift. Unterstützen Sie eine naturverträgliche Landwirtschaft.

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NABU_Bericht_Schwalbenerfassung.pdf
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