Mountainbiking in Stuttgarts Wäldern

Downhill Mountainbike Wald Stuttgart
Beispielfoto Downhill. Foto: Pixabay

Die Nutzung der Stuttgarter Wälder durch Mountainbiking nimmt seit Jahren stark zu. Hierfür werden vor allem vorhandene, schmale Wanderwege genutzt. Diese werden durch das Befahren verbreitert, aber auch aktiv ausgebaut, oft wird aber auch "querfeldein" gefahren. Mountainbiker fordern seit den 2000ern eine Legalisierung des Fahrens auf schmalen Wanderwegen, bzw. die Ausweisung von Strecken in den Wäldern. Dem gegenüber stehen unsere artenreiche Wälder, die nahezu komplett Schutzgebietsstatus besitzen. Hinzu kommen besondere Landschaftsformen mit zahlreichen Klingen und Bachtälern. Diese machen sowohl den besonderen Wald-Charakter aus, sind aber auch für Mountainbiker besonders attraktiv.

 

Der geschützte Grauspecht ist eine Besonderheit in Stuttgarts Wäldern. Foto: Johannes Groß
Der geschützte Grauspecht ist eine Besonderheit in Stuttgarts Wäldern. Foto: Johannes Groß

Schutzgebiete kommen unter die Räder

Der Wald ist mit der bedeutendste Biotoptyp Stuttgarts und ein Großteil unserer Wälder ist Teil von europäischen FFH-, Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten. Die Schutzwürdigkeit der Wälder in Stuttgart ist vor allem durch die reichhaltige Fauna und Flora gut begründet und offensichtlich.

So gibt es bedeutende Populationen gefährdeter und besonders schützenswerter Vogelarten wie Schwarzspecht, Grauspecht und Halsbandschnäpper. Ein knappes Drittel der Stuttgarter Waldvogelarten sind generell bedroht, sodass unsere Bestände von überregionaler Bedeutung sind.

Bei den Amphibien gibt es große Bestände von Feuersalamander, Erdkröte oder Ringelnatter, die alle nach dem Bundesnaturschutzgesetzt besonders geschützt sind.

Mehrere Orchideenarten wie Vogelnestwurz und Weißes Waldvögelein, Breitblättrige und
Schmallippige Stendelwurz wachsen noch in unseren Wäldern. Sie besiedeln oftmals die
Wegsäume auch gerade der kleineren Nebenwege.

 

Amphibien Amphibienschutz Wald
Achtung Amphibienwanderung! Das gilt auch auf Waldwegen. Foto: Kathy Büscher, NABU Rinteln

Geräderte Waldbewohner

Säugetiere und Vögel sind vergleichsweise gut in der Lage, sich an regelmäßige und vorhersehbare Störungen zu gewöhnen. Dies ist an breiten Wegen der Fall, die durchgängig durch Fußgänger, Läufer und auch Fahrradfahrer genutzt werden. An wenig genutzten, schmalen und unübersichtlichen Pfaden hat ein schnell fahrender Mountainbiker aber einen Überraschungseffekt und führt so zu einer intensiven Störung. Dies kann bei Vögeln zur Aufgabe des Nestes führen, Rehe fliehen panisch und beruhigen sich erst nach einer größeren Strecke wieder. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass nicht alle Vögel ihre Nester in den Bäumen bauen. Zilpzalp, Waldschnepfe oder Rotkehlchen sind nur ein paar Beispiele für Vögel, die ihre Nester am Boden errichten.

Amphibien sind besonders betroffen, wenn Trails an Gewässern entlang führen und so die Wanderwege der Tiere kreuzen. Sie sind so langsam, dass eine Flucht für sie kaum in Frage kommt. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit werden die Tiere auch meist garnicht erkannt und wenn, dann ist es auch zum Ausweichen zu spät.

 

Unsere Ziele

Verträglichkeitsprüfung für Mountainbikestrecken in Schutzgebieten

Schutzgebiete haben einen Zweck. Sie sollen Tiere und Pflanzen vor negativen Eingriffen durch den Menschen schützen. Somit müssen alle Mountainbike-Trails welche derzeit bestehen auf ihre Unbedenklichkeit geprüft werden. Erst nach Vorlage der Prüfungsergebnisse sind die durch die Trails entstehenden Probleme beurteilbar. Der momentane Zustand ist daher rechtswidrig.

Ehrliche Kompromisse

Wenn es zu naturschutzrechtlich unbedenklichen Ausweisungen von Mountainbikestrecken kommt, muss auch gewährleistet sein, dass illegale Strecken nicht mehr befahren werden und Verstöße geahndet werden. Alles andere wäre kein Kompromiss, sondern würde zur kontinuierlichen Zerstörung natürlicher Rückzugsräume von Pflanzen und Tiere führen.