Frühjahrsexkursionen mit dem NABU

Exkursion im Dürrlewanger Wald

Friedrich Springob nimmt uns normalerweise mit auf einen morgentlichen Spaziergang durch den Dürrlewanger Wald. Hier war es Anfang April noch recht grau-braun, auch wenn schon an den ersten Bäumen die Blätter zu spießen begannen. Im kahlen Wald waren immer wieder Rehe zu sehen, bis zu fünf Spechtarten und Greifvögel. Überwinternde Singvögel, wie der Zaunkönig im Bild, machten ihrem Namen zu dieser Zeit schon alle Ehre.



Smaragdeidechsen am Blauen Weg

Der "Blaue Weg" ist eine kleine Straße auf Halbhöhenlage, die von der Hasenbergsteige abzweigt und am Südhang zwischen terrassierten Gärten entlangführt. Dadurch kann man nicht nur Stuttgart-Heslach überblicken, sondern findet auch wärmeliebende Arten vor. Michael Scheiber, der die Exkursion am 4. April nun alleine gehen musste, hat den "Star" dieser Exkursion für uns abgelichtet: ein Smaragdeidechsen-Paar. Ein Artenportrait zur Smaragdeidechse gibt es beim NABU-Bundesverband: Artenportrait Smaragdeidechse

Nebenbei gab es auch bunte Vertreter anderer Tierarten zu beobachten: Trauermantel, Kleiner Fuchs, viele Zitronenfalter und erstaunlicherweise auch schon das ein oder andere Taubenschwänzchen.

Abgesehen vom Blauen Weg konnte Herr Scheiber Mitte April schon von Kuckucksbeobachtungen und singenden Waldschnepfen berichten. Aufgrund der kalten Nächte hatte sich die Amphibienwanderung nach hinten verzögert, sodass in der ersten Aprilhälfte auch noch laichende Erkröten beobachtet werden konnten.


Streuobstblüte am Rohrer Weg

Das Streuobstgebiet "Rohrer Weg" liegt zwischen Möhringen und dem Vaihinger Industriegebiet und umfasst noch ca. 8 – 8,5 ha an Streuobstwiesen. Damit gehört das Gebiet zu einem der letzten großen und zusammenhängenden Streuobstwiesen im Stadtgebiet. 1990 war das Gebiet noch fast 10 ha groß, erklärt Barbara Drescher, unsere heutige Exkursionsleiterin. Sie ist Expertin, wenn es um das Thema Pflanzen geht und hat schon im gesamten Stadtgebiet Kartierungen durchgeführt.

Übergang vom Wohngebiet mit gemähtem Rasen links zum Streuobstgebiet mit ungemähter Wiese.
Übergang vom Wohngebiet mit gemähtem Rasen links zum Streuobstgebiet mit ungemähter Wiese.

Wir starten den Spaziergang zunächst am Rande des Möhringer Wohngebietes: an der Brücke, wo die Udamstraße über den Sindelbach führt. Dort sind fünf sehr lesenswerte Infotafeln aufgestellt, die auf die besondere Bedeutung der Streuobstwiesen hinweisen. Durch extensive Bewirtschaftung in den letzten 120 Jahren, unter anderem durch das nur seltene Mähen der Wiesen, entstand ein artenreicher Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Leider werden wir, zumindest was die Vielfalt auf den Wiesen angeht, eher enttäuscht. Viel Löwenzahn, scharfer Hahnenfuß, Wiesenkerbel und Stumpfblättriger Ampfer zeugen eher von Fettwiesen als vom Magerrasen, erklärt Barbara Drescher. Dies liege aber auch am Untergrund: der Untergrund besteht aus Lösslehm, für den die Filderebene so bekannt ist und der eben nicht nur Gemüse reichlich Nährstoffe bietet, sondern auch den Wiesenpflanzen.

Allerdings bieten die vielen hochstämmigen Obstbäume zusammen mit einigen verbuschten Bereichen einen strukturreichen Lebensraum für zahlreiche Vögel, Insekten oder auch Feldhasen. Zilpzalp, Grünspecht, Baumläufer und Star, um nur ein paar zu nennen, können wir hören und beobachten. Auch alte Obstbäume mit hohlem Stamm sind immer wieder anzutreffen. Hier finden z.B. Fledermäuse Möglichkeiten zum Übernachten oder Hornissen zum Nestbau.


Nachpflanzungen verschiedener Obstbaumarten, Foto: NABU Stuttgart
Nachpflanzungen verschiedener Obstbaumarten, Foto: NABU Stuttgart
Nachpflanzungen verschiedener Obstbaumarten, Foto: NABU Stuttgart
Nachpflanzungen verschiedener Obstbaumarten, Foto: NABU Stuttgart

Der Nachpflanzung von Obstbäumen hat sich die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg zusammen mit dem Förderverien Stuttgarter Apfelsaft angenommen. Die Vereine gehen unter anderem auf Wiesenbesitzer und -Besitzerinnen zu und unterstützen diese bei der Nachpflanzung, oder übernehmen diese sogar komplett. So treffen wir bei unserem Rundgang auch auf Ruth Frank von der Schutzgemeinschaft Rohrer Weg. Sie erklärt uns, dass besonders alte, hochstämmige Sorten nachgepflanzt werden. Außerdem sind neben Apfel- und Birnbäumen auch Mirabellen und Pfirsiche dabei, es wird auf eine breite Vielfalt geachtet. So wurden schon rund 90 Obstbäume nachgepflanzt, ein wohl einmaliger Einsatz zum Erhalt der Streuobstwiesen in Stuttgart!

Dennoch betonen sowohl Frau Drescher als auch Frau Frank, dass das Streuobstgebiet am Rohrer Weg nicht mehr die Vielfalt bietet, die noch auf den eingangs erwähnten Tafeln gepriesen wird. Der Wendehals z.B. kommt seit über 10 Jahren nicht mehr in dem Gebiet vor, woran wohl auch die letzte Wohngebietserweiterung am Ostrand ihren Anteil hatte. Dabei  waren die Streuobstwiesen bis etwa zum 2. Weltkrieg so bedeutsam für die Versorgung der Bevölkerung mit Tafelobst und Most, dass man dafür sogar beste Ackerböden in Anspruch genommen hat. Heute werden sie überbaut.

Neben der Artenvielfalt leisten die Streuobstwiesen auch einen Beitrag zur Kaltluftversorgung für Stuttgart und nutzen so einem Großteil der Bevölkerung. Auf weitere Gebietsentwertungen muss daher in Zukunft unbedingt verzichtet werden.



Exkursionen für den Mai: Was ist eigentlich ein Birdrace, was macht die Wangener Höhe so besonders und was zwitschert und brütet gerade auf der Vördere?