Der Wolf - er ist wieder da!

Vortrag mit der NABU-Wolfsbotschafterin Claudia Simon im Forum 3 e.V. am 15.10.2019

Wolf (Foto: NABU/J.Borris)
Wolf (Foto: NABU/J.Borris)

Wir waren dabei bei dem Vortrag der engagierten NABU-Wolfsbotschafterin Claudia Simon und haben viel über die Rückkehr dieses faszinierenden Wildtiers erfahren. Frau Simon hat uns ein Tier nahegebracht, das uns bisher fremd war. Wir erfuhren, dass der letzte Wolf Baden-Württembergs 1847 im Stromberg erschossen wurde. Dort erinnert heute noch einer von den ungefähr 30 in Deutschland errichteten Wolfsteinen an das „Untier“, das gnadenlos gejagt und ausgerottet wurde. Der letzte Wolf in Deutschland wurde 1904 in Hoyerswerda erlegt. Heute genießt der Wolf den höchstmöglichen Schutzstatus – auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene. Seit der Wiedervereinigung steht der Wolf in ganz Deutschland unter gesetzlichem Schutz. Ab 1990 wurden vereinzelt immer wieder Wölfe gesehen, aber illegal erschossen oder bei Verkehrsunfällen getötet. 1998/99 wurde das erste Wolfspaar in Deutschland sesshaft und brachte 2000 in Sachsen die ersten Welpen in Deutschlands freier Wildbahn auf die Welt. Wir Naturschützer begrüßen die Rückkehr des Wolfs und freuen uns, dass es mittlerweile 73 Wolfsrudel und 88 Wolfsterritorien in ganz Deutschland gibt. In Baden-Württemberg wurden bisher vor allem tote Wölfe gefunden. Tatsächlich stellen Verkehrsunfälle die häufigste Todesursache für Wölfe dar. Ein Wolf hat es aber bis nach Baden-Württemberg geschafft und ist im Schwarzwald heimisch geworden.

 

Und? Haben Sie Angst vorm Wolf? Wie war das bei Rotkäppchen noch gleich? Noch bis ins ausgehende Mittelalter wurde der Wolf verehrt. Erst mit der Christianisierung begann die Verteufelung des Wolfs. In Ihrem Vortrag räumt Frau Simon mit dem Märchen vom bösen Wolf auf. Und der Mensch steht keinesfalls auf dessen Speiseplan. Der Wolf frisst nämlich entgegen aller Erwartungen auch Früchte, Beeren, Obst und Aas. Tatsächlich hilft der Wolf auch Förstern überall dort, wo durch zu viel Wild sich Wälder nicht mehr regenerieren können, weil die Jungtriebe der Bäume weggefressen werden und nicht mehr nachwachsen können. Laut einer Forsa-Umfrage aus 2018 freuen sich 80% der Bevölkerung, dass der Wolf wieder da ist. Na also dann: Willkommen Wolf!

 

Zu den wolfreichsten Bundesländern zählen Niedersachsen, Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Und natürlich ist der Wolf ein Beutegreifer und als solcher unterscheidet er nicht zwischen wildlebenden Tieren und vom Menschen gehaltenen Nutztieren. Das führt verständlicherweise dazu, dass hier wieder ein Konflikt auflodert, der so alt wie die Viehhaltung selbst ist. Deshalb werden Wölfe heute aber nicht mehr gejagt, sondern gemanagt. In fast allen Bundesländern sind deshalb bereits Wolfsmanagementpläne etabliert, die ein konfliktarmes Zusammenleben von Wolf und Menschen gewährleisten sollen.

 

Im Rahmen dieser Wolfsmanagementpläne wird der Herdenschutz durch Präventionsmaßnahmen und Ausgleichszahlungen für Schäden unterstützt. So werden beispielsweise verbesserte Zaunsysteme und Herdenschutzhunde eingesetzt. In besonders wolfreichen Bundesländern kooperiert der NABU bereits mit dem Ministerium für Umweltschutz zur Umsetzung des Wolfsmanagementplanes und setzt sich für Aufklärung und Unterstützung der Nutztierhalter beim Herdenschutz ein. Die Sorgen der Nutztierhalter müssen ernst genommen und die Tierhaltung an die neuen Bedingungen angepasst werden. Umweltschutzorganisationen stehen hier unterstützend und beratend zur Seite, denn nur so kann die benötigte Akzeptanz geschaffen werden. Der sogenannte günstige Erhaltungszustand gemäß der FFH-Richtlinie ist noch nicht erreicht und jedes Bundesland ist dazu verpflichtet, den Erhaltungszustand zu überwachen und die Ergebnisse dieses Monitorings an die Europäische Kommission zu berichten. Wir müssen mit Zuwachs rechnen und deshalb lernen mit dem Wolf zu leben.

 

Wenn auch in Stuttgart so schnell kein Wolf zu erwarten ist, so verraten uns doch Namen wie Wolfschlugen oder Wolfbusch, dass auch in Stuttgart und Umgebung Wölfe einst heimisch waren. Wie würden Sie sich fühlen, wenn doch einmal ein Wolf über die Fildern zöge oder in Schönbuch gesichtet würde? Einige Bundesländer haben bereits ihre Erfahrungen gesammelt und davon können wir lernen. Spätestens wenn wir mal wieder in einem wolfreicheren Bundesland Urlaub machen, sollten wir schließlich auch wissen, wie wir uns verhalten. Und wäre es nicht auch schön, wenn wir zusammen mit unseren Kindern Wölfe beobachten könnten statt ihnen nur „Der Wolf und die sieben Geißlein“ vorzulesen?

 

Weitere spannende Daten, Fakten und FAQs zum Wolf findet Ihr auf den nachfolgenden Seiten:
 

FAQs NABU Bundesverband

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/15812.html

 

Wolfschronik NABU Bundesverband

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/18886.html

Wölfe in Baden-Württemberg NABU Baden-Württemberg
https://baden-wuerttemberg.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/index.html

 

Forsa-Umfrage 2018 NABU Bundesverband

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/24288.html

 

Wolfsvorkommen DBBW 

https://www.dbb-wolf.de/Wolfsvorkommen/territorien/karte-der-territorien

 

Der Wolf und die Religion Deutschlandfunk

https://www.deutschlandfunk.de/woelfe-und-religionen-der-beste-feind-des-menschen.2540.de.html?dram:article_id=391931

 

NABU TV