Dicke Luft im Kessel

Feinstaub & Co.:  Was Sie für bessere Luft tun können

Wir als NABU Stuttgart sind neugierig: Wie erging es Ihnen mit dem jüngsten Feinstaubalarm in Stuttgart?

Lange schon wussten Stadtbewohner von der schlechten Luftqualität in Stuttgart, nicht nur an der berühmten Messstelle „Neckartor“. Trotzdem kam der erste Feinstaubalarm quasi über Nacht und war plötzlich Tatsache. Man sieht, schmeckt und riecht seine Ursachen nicht. Trotzdem bedroht er uns. Feinstaub besteht aus einem lungengängigen Gemisch kleinster Partikel mit einer Größe von weniger als einem Hundertstel Millimeter. Diese feinsten Staubteile gelangen bis in die kleinsten Verästelungen der Lunge, ja bis ins Blut. Die zweite, ebenso kritische Substanz, welche als Alarmursache zu sehen ist, sind Stickoxide (NOX), insbesondere das Dioxid NO2.

Unterschiedliche Versuche wurden und werden bereits unternommen, um Abhilfe zu schaffen. Temporegelungen, Kommunikation über die Gefahren der Schadstoffe etc. Wir als NABU Stuttgart sind uns der besonderen Verantwortung bewusst und möchten Sie in Zeiten übermäßiger Schadstoffwerte um folgendes bitten:

 

Machen Sie sich Gedanken, was Sie verändern könnten. Manchmal macht es auch Spaß, die vertrauten Pfade zu verlassen und Neues auszuprobieren. Hier einige Beispiele:

 

1. Für Ihre eigene Gesundheit und die Umwelt

Neue Wege ins Büro müssen erst mal getestet und für gut befunden werden. Informieren Sie sich bei VVS, SSB und der Bahn. Schafft man es auch mit Bus und Bahn zur Arbeit? Rechnet sich ein Monats-oder Jahresticket?

Mit wem könnten Sie eine Fahrgemeinschaft bilden? Sprechen Sie Ihre KollegInnen an.

Wäre Car-to-go für Sie eine Alternative?

Vielleicht testen Sie mal „Call a Bike der DB“ oder Ihr eigenes Rad?

Lassen sich Ziele in der Nähe auch zu Fuß erreichen?

Können Sie auch von zu Hause aus arbeiten?

 

2. Für die Lebensqualität in der Stadt

Auch mit weniger Geschwindigkeit kommen Sie an Ihr Ziel…

Können Sie auf Fahrzeuge mit geringem Kraftstoffverbrauch und Feinstaubausstoß umstellen? (Insbesondere neue Dieselfahrzeuge nur mit Partikel- und Stickoxidfilter der EURO 6-Norm kaufen!)

Verzichten Sie auf sogenannte Komfortöfen für feste Brennstoffe (gemeint sind hier Beistellöfen ohne Anschluss an den Wärmekreislauf)

 

3. Für Ihr persönliches Wohlbefinden

Lüften Sie zu verkehrsarmen Zeiten.

Auch der Lebensmittelkonsum hat große Auswirkungen auf unsere Atemluft. Ein hoher Fleisch- und Milchkonsum sowie die industrielle Landwirtschaft führen zu hohen Methan- und Ammoniakemissionen. Wer hierbei auf Qualität statt Quantität setzt, trägt unter anderem dazu bei, die Luftqualität zu verbessern.

 

4. Und last but not least:

Nutzen Sie die Beteiligung am Stuttgarter Bürgerhaushalt. Hier können Sie Vorschläge einbringen, wie z.B. verbesserte Taktung des öffentlichen Nahverkehrs, mehr Radwege und vieles mehr. Schreiben Sie an Automobilkonzerne und drängen Sie auf eine Entwicklung der E-Mobilität. Egal, was Sie tun, jede einzelne Maßnahme zählt.

 

Die Rolle der Politik

Wir wollen allerdings auch keineswegs wegschauen bei den „Bemühungen“ von Verwaltung und Politik in Stuttgart. Alles scheint darauf hinzudeuten, dass die Auffassung „gestorben wurde schon immer“ vorherrscht. Die bisherigen Anreize, das normale Mobilitätsverhalten in Zeiten von Schadstoffkonzentrationen oberhalb der Grenzwerte zu verändern, scheinen naiv, sie zeugen jedoch eher von einem weitverbreiteten Desinteresse hinsichtlich der tatsächlichen Grenzwerteinhaltung. Alle in Deutschland lebenden Menschen müssten damit rechnen, als „kriminell“ bezeichnet zu werden, würden sie geltendes Recht über Jahrzehnte missachten. Maßgebliche Führungspersonen der Landeshauptstadt praktizieren eine derartige Missachtung ständig. Infolgedessen erkranken und sterben Mitmenschen früher und häufiger.

Der NABU Stuttgart e.V. hat in der Vergangenheit immer wieder versucht, im Rahmen ehrenamtlicher Bemühungen, eine Verbesserung der geschilderten Sachlage zu erzielen. Auch wir müssen feststellen, dass alle Wege zur Einhaltung der – sowieso schon hohen – Grenzwerte durch Beharrungsvermögen und Gleichgültigkeit von Entscheidern verbaut werden. Wir werden auch zukünftig deutlich machen, dass Gesundheit – auch in Stuttgart – ein Lebensrecht darstellt.