Stuttgarter Vogelatlas

Was fliegt und brütet in der Stadt?

Rund 110 Vogelarten wurden in den vergangenen zehn Jahren in Stuttgart als Brutvögel nachgewiesen. Einige von ihnen wollen wir hier nach und nach kurz vorstellen und uns dabei auf ihre Vorkommen in Stuttgart konzentrieren. Über ihre Biologie informiert die einschlägige Fachliteratur ausführlich bzw. die Vogelportraits im Internet bei wikipedia. Tagesaktuelle Infos rund um die Vogelwelt finden Sie unter www.ornitho.de


Nilgans (Alopochen aegyptiaca)

Nilgans-Familie (Foto: U. Rühl)
Nilgans-Familie (Foto: U. Rühl)

Vorkommen in Stuttgart
Die Nilgans ist in Stuttgart seit ein paar Jahren nichts Besonderes mehr und ist mehr oder weniger regelmäßig an fast allen Gewässern einzeln, paarweise oder in kleinen Gruppen anzutreffen. Sie hat ihr Streifgebiet in den letzten Jahren deutlich vergrößert, insofern ist auch die Beobachtung vom Bärensee nicht mehr ungewöhnlich. In diesem Jahr (2017) sind schon mindestens Bruten gemeldet worden, u.a. zwei im Rosensteinpark und Mittleren Schlossgarten und eine sogar vom Feuersee. Die Vögel sind ganzjährig in der Stadt zu beobachten, vor allem im Herbst scheint es zudem Zuzug aus der Umgebung zu geben, am Max-Eyth-See hat es schon Ansammlung von bis zu 40 Tieren gegeben.

Verbreitung

Die Nilgans ist eine afrikanische Art, die in Europa, vor allem in Großbritannien und Holland, in Wassergeflügelsammlungen gehalten wird und dort vielfach auf Parkseen angesiedelt wurde. Von dort sind die Vögel dann "ausgebüchst", so dass sich freilebende und halbzahme Populationen bilden konnten. Nach Deutschland ist sie wohl über Holland eingewandert und hat sich in den vergangenen 20 Jahren über große Teile unseres Landes ausgebreitet. Die ursprüngliche Herkunft aus Gefangenschaft oder zumindest Haltung und Aufenthalt in unmittelbarer Nähe des Menschen führt auch zu der geringen Scheu der Vögel und eine gewisse Vorliebe für bzw. Konzentration in städtischen Lebensräumen.

Mit dem Klima hat die Ausbreitung vermutlich weniger zu tun, wobei die größeren Überlebenschancen im (milderen) Winter vor allem in den Städten sicherlich auch förderlich sind (neben der verbreiteten Unsitte der Fütterung von Wasservögeln) und die Anpassung an den in Summe kälteren Lebensraum verglichen mit den afrikanischen Ursprungsgebieten erleichtert hat.

Problemgans?

Leider sind wir als Naturschützer mit der Art nicht wirklich glücklich, da sie sich gegenüber anderen Wasservögeln recht aggressiv und dominant verhält und in der Brutplatzkonkurrenz andere Arten durchaus verdrängen kann. Allerdings hat die halbwilde Population in Mitteleuropa inzwischen eine Größe erreicht, die eine Eindämmung durch Jagd nahezu unmöglich macht, da die Lücken durch den guten Bruterfolg schnell wieder geschlossen werden. Insofern ist zu hoffen, dass hier bald ein Plateau der Population erreicht wird und keine nennenswerten Zuwächse mehr stattfinden.


Alpensegler (Tachymarptis melba syn. Apus melba)

Alpensegler (Foto: Lukas Thiess)
Alpensegler (Foto: Lukas Thiess)

 Vorkommen

Der Alpensegler ist der größte Segler Europas mit Verbreitungsschwerpunkt im südlichen Europa. Die nördlichsten Kolonien des Fels- und Gebäudebrüter befinden sich in Baden-Württemberg. Schon im 18. Jh. zog es die Alpensegler ins Schweizer Mittelland, in den 1920er-Jahren war Schaffhausen der nördlichste Brutort. Freiburg haben sie seit den 1950er-Jahren erschlossen, hier hat sich eine stabile Kolonie aus rund 150 Brutpaaren etabliert. Auch in Stuttgart sind die rasanten Flieger zuhause: Seit 2008 ziehen einzelne Vögel im „Felsengebirge“ des Stuttgarter Westens ihre Kreise, vermutlich zog schon 2009 das erste Paar seine beiden Jungen groß.

 

Merkmale

Von den sehr ähnlichen Mauerseglern lassen sie sich gut durch ihren weißen Bauch unterscheiden. Während die Mauersegler mit lauten "sri-sri-sri"-Rufen durch die Häuserschluchten jagen, machen sich die Alpensegler durch laute, auf- und absteigende Triller bemerkbar. Sie fliegen schneller und ruhiger als Mauersegler, sind aber weniger wendig. Beide sind nicht mit den Schwalben verwandt (Schwalben zählen zu den Sperlingsvögeln). Schwalben und Segler sind   hochspezialisierte Insektenjäger und beeindrucken immer wieder durch ihre atemberaubenden Flugmanöver. Auch bleiben die kleinen Mauersegler nur von Mai bis Ende Juli bei uns, der der große Weißbauch jedoch sechs Monate von April bis September.

 

Zugvögel

Alpensegler sind Zugvögel. In Stuttgart treffen sie im April ein, brüten und verlassen im September die Stadt, um 3000 km weit bis nach Westafrika in ihr Winterquartier südlich der Sahelzone zu fliegen. Wie die Schweizer Vogelwarte Sempach anhand von Vögeln nachwies, die mit Geolokatoren und Aktivitätssensoren ausgestattet waren, können diese Segler bis zu 200 Tage in der Luft bleiben, ohne ein einziges Mal zu landen. D.h. sie fressen und schlafen knapp sieben Monate lang im Flug. Auch in ihrem Winterquartier sind die untersuchten Tiere kein einziges Mal gelandet, Afrika erlebten sie nur von oben.

 

Schutz der Alpensegler

Während Mauersegler sich auch mit alten Spechthöhlen zufrieden geben, sind die Alpensegler ausschließlich Felsen- und Gebäudebrüter. So ist es für den Erhalt der Alpensegler enorm wichtig, ihre Brutplätze zu schützen, also Kirchtürme, Nester an Häusern usw.

 

Monitoring

Haben Sie einen Alpensegler entdeckt? Dann melden Sie dies bitte auf www.ornitho.de. Weitere Informationen unter www.alpensegler-freiburg.de


Kuckuck (Cuculus canorus)

Kuckuck
Kuckuck (Foto: Johannes Groß)

In der ersten Aprilhälfte kehren die ersten Kuckucke in ihre mitteleuropäischen Brutgebiete zurück. Bereits Anfang August begibt sich der Kuckuck auf Wanderschaft in seine afrikanischen Überwinterungsgebiete und Anfang September erreicht er seinen Durchzugshöhepunkt.

Vorkommen in Stuttgart
In der Landeshauptstadt lassen nur noch eine Handvoll Exemplare dieses populären Vogels ihre Jungen von fremden Eltern groß ziehen, so dass es insgesamt um seine Zukunft schlecht bestellt ist.
Noch bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts war der Kuckuck noch häufig in Stuttgart. In vielen Wäldern gibt es mittlerweile aber keine Kuckucke mehr, allerhöchstens noch auf dem Durchzug. Der Rückgang bei dieser Art setzte bereits Ende der 1950er-Jahre ein und hat sich in den letzten Jahren noch einmal beschleunigt. So gibt es nach Erhebungen der NABU-Gruppe Stuttgart Kuckucke praktisch nur noch in den großen Waldungen des Stuttgarter Westens und Südwestens. Hier wurde er 2008 vor allem in den Wäldern um Botnang und Feuerbach, beim Katzenbacher Hof sowie im Rot- und Schwarzwildpark festgestellt. Rund fünf Kuckuckspaare leben dort vermutlich noch. Allerdings ist es gar nicht so einfach, seinen Bestand zu erfassen, da er sehr große Rufgebiete hat, in denen er umherstreift. Zudem ist sein Ruf weithin zu vernehmen, so dass sein Bestand eher überschätzt wird.

Kuckuck
Kuckuck (Foto: Udo Rühl)

Brutbiologie und Rückgang
Interessant ist seine Brutbiologie: Bekanntlich lassen Kuckucke ihre Jungen von Wirtsvögeln aufziehen - und schmuggeln hierzu ihre Eier in fremde Nester, ohne sich auch nur halbwegs darum zu scheren, ob die Eltern dazu passen. So zieht der rund zehn Gramm schwere Zaunkönig den mehr als zehnfach so schweren Kuckuck (100-130 g) auf.
Die Gründe für seinen Rückgang sind vielschichtig: Neben Lebensraumverlusten und Einsatz von Spritzmitteln in der Landwirtschaft, die seine Lieblingsnahrung, die Raupen, dezimieren, sind es auch Rückgänge bei wichtigen Wirtsvogelarten (Waldlaubsänger, Rauchschwalbe, Baumpieper) sowie Verschiebungen bei den Brutbeginnen der Wirte. Da nämlich der Kuckuck als Langstreckenzieher noch relativ traditionell heimkehrt und seine Ankunft nur geringfügig nach vorne verlagert hat, sind seine Wirte bereits viel früher mit ihren Bruten dran. Wenn dann zum Beispiel Rotkehlchen schon Junge haben, kann er diesen kein Kuckucksei mehr „unterjubeln“.


Graugans (Anser anser)

Fliegende Graugänse
Fliegende Graugänse (Foto: Udo Rühl)

Die erste Graugans (Anser anser) in Stuttgart wurde 1981 gesichtet, 1984 zog das erste Paar am Max-Eyth-See seine kleinen Gössel auf, doch erst seit 1995 brüten die Graugänse Jahr für Jahr. Ursprünglich stammt diese Gänseart aus Nord- und Osteuropa und ist über Gefangenschaftsflüchtlinge und Freilassungen bei uns heimisch geworden. Gemähte Parkwiesen und die Neckarauen bieten den Pflanzenfressern einen reich gedeckten Tisch. Selbst im Winter bleiben diese Zugvögel oft in Stuttgart. Rund 25 Brutpaare leben mittlerweile im Stadtgebiet und sind außer am Max-Eyth-See vor allem im Rosensteinpark häufig. Mitunter bekommen sie Verstärkung durch Vögel aus den umliegenden Neckar-Regionen, sodass deren Zahl im Stadtgebiet zeitweise auf rund 300 Individuen anwächst. Sie stehen unter wissenschaftlicher Beobachtung: das Staatliche Museum für Naturkunde erforscht die Tiere und beringt sie jedes Frühjahr. Am Max-Eyth-See selbst ist auf Betreiben des NABU schon vor Jahren eine biologische Schutzzone ausgewiesen worden, die ein Drittel des Sees umfasst. Heute zählt der See zu den bedeutendsten Brutgebieten von Wasservögeln in der gesamten Region.


Grauspecht (Picus canus)

Grauspecht
Grauspecht (Foto: S. Böttinger)

Grau- oder Grünspecht?
Obwohl er kleiner und sein Hals etwas kürzer ist, wird der Grauspecht häufig mit seiner Zwillingsart, dem Grünspecht verwechselt. Kein Wunder, denn die hauptsächlichen Unterscheidungsmerkmale sind der graue Kopf und Hals mit einem kleineren schwarzen Augenstreif und dem schmalen, ebenso schwarzen Bartstreif. Die Männchen haben zusätzlich noch einen kleinen roten Stirnfleck, der den Weibchen fehlt. Auch sein Ruf unterscheidet ihn von seiner Zwillingsart: Während der Grünspecht auffallend lachende Töne von sich gibt, klingt die abfallende "kü"-Rufreihe des Grünspechts eher melancholisch und wehmütig. Das rhythmische Trommeln mit dem Schnabel auf Holz ist vorrangig während der Brutzeit zu hören und zeigt den Revierbesitz des Vogels an.

Lebensweise
Seine Ernährung basiert hauptsächlich auf Ameisen und deren Larven. Aber auch andere Insekten, vor allem in Rinde und Holz lebende Larven gehören zur bevorzugten Beute. In den kalten Monaten erweitert sich die Nahrung auch auf verschiedene Beeren und Früchte. Als Höhlenbrüter zimmert er sich sein Nest in Totholz oder morschen Bäumen, nutzt aber auch des Öfteren bereits vorhandene Höhlen. Da der Grauspecht ursprüngliche Wälder mit natürlichen Altersstrukturen als Bruthabitat bevorzugt, liegt in der Zerstörung solcher Lebensräume die größte Gefährdung der Art. Noch gilt der Artbestand als ungefährdet.

Vorkommen
In Stuttgart kommt der Grauspecht vor allem im Rotwildpark, am Lemberg und im Greutterwald, in Klingen und älteren Wäldern vor. Auch die Anlage rund ums Schloss Solitude mag er; dort ist das Foto entstanden. In Deutschland ist der Grauspecht von den Alpentälern bis an den Südrand der Norddeutschen Tiefebene verbreitet, wobei er in weiten Teilen Norddeutschlands eher selten vorkommt. Er bevorzugt Landschaften mit nicht zu dichtem Baumbestand, zum Beispiel Parkanlagen, Alleen, Streuobstflächen, lichte Wälder und er ist auch in Gärten anzutreffen.


Grünspecht (Picus viridis)

Grünspecht
Grünspecht (NABU/P. Kühn)

 

In Stuttgart ist der Grünspecht noch recht häufig anzutreffen. So ist er im Neckartal, in den Garten und Weinbaulandschaften, Streuobstwiesen und allen Wäldern weit verbreitet. Vermutlich mindestens 150 Brutpaare gibt es in Stuttgart mit einem Schwerpunkt im Schlossgarten und Rosensteinpark. Sein leuchtend grünes Gefieder und der lachende Ruf machen ihn unverwechselbar. Höhlen legt er bevorzugt in alten Bäumen an. Daher ist der Schutz der Streuobstwiesen und der alten Wälder für den Grünspecht überlebenswichtig. Wer Obstwiesen pflegt, Obst und Saft von Streuobstwiesen kauft, hilft also auch diesem Specht. 2014 war er Vogel des Jahres.


Buntspecht (Dendrocopos major)

Buntspecht-Weibchen
Buntspecht-Weibchen (Foto: S. Böttinger)

Aussehen
Mit seinem schwarzen Rücken und den großen weißen Schulterflecken sticht der Buntspecht leicht ins Auge. Seine Unterseite ist grauweiß und verfärbt sich unter den Schwanzfedern leuchtend rot. Die Männchen haben zusätzlich einen kleinen, roten Genickfleck. Der schwarze Bart- und Ohrenstreif unterscheiden ihn am deutlichsten von ähnlichen Spechtarten (z. B. Mittelspecht).

Lebensweise
Der am häufigsten vorkommende Specht bei uns Deutschland ist der Buntspecht. Zu finden ist er in Laub- und Nadelwäldern, Parks und Gärten. Auch scheut er nicht die Nähe zu Städten und Siedlungen. In den Wintermonaten ist er ein häufiger Besucher von Futterstellen an Häusern. Im Frühjahr während der Balzzeit hört man das Männchen ständig trommeln. Das Trommeln auf guten Resonanzkörpern, beispielsweise abgestorbenen Bäumen oder Blechdächern, dient zum Anlocken von Weibchen sowie zur Abgrenzung des Reviers. Wie alle Spechte zimmert auch der Buntspecht sich eine Höhle in bevorzugt weichen oder morschen Bäumen. Sowohl Männchen als auch Weibchen bauen Höhlen. Sobald diese als Spechtwohnung ausgedient haben, profitieren auch andere Tiere davon, darunter Sperlingskauz, Rauhfußkauz und verschiedene Fledermausarten. Das macht den Specht und den Schutz von Spechtbäumen so enorm wichtig. Die Beute des Buntspechts besteht vorwiegend aus holzbewohnenden Käfern und Larven, die er mit kräftigen Schnabelhieben unter der Borke hervorholt. In der kälteren Jahreszeit erweitert er seine Nahrungssuche auf Nüsse, Beeren und Samen, die er sich geschickt aus Zapfen der Nadelhölzer herauspickt. Als gelegentlichem Nesträuber fallen ihm aber auch kleine Jungvögel und Eier zu Opfer.


Mittelspecht (Dendrocopos medius)

Mittelspecht
Mittelspecht (Foto: S. Böttinger)

Aussehen
Mit der schwarzen Oberseite und den weißen Schulterpartien sieht der Mittelspecht auf den ersten Blick aus wie sein etwas größerer Kollege, der Buntspecht. Bei näherer Betrachtung kann man aber gut die Unterschiede erkennen: So ist die Gesichtszeichnung nur schwach ausgeprägt und der rote Fleck, den nur das Buntspechtmännchen im Nacken aufweist, zieht sich bei dem Mittelspecht über den gesamten Scheitel. Auch ist der Bereich unter den Schwanzfedern nur leicht rosa verfärbt. Durch den nur schwachen Farbunterschied von Weibchen und Männchen sind die Geschlechter schwer zu bestimmen.

Lebensweise und Gefährdung
Im Gegensatz zu den meisten anderen Spechtarten, trommelt der Mittelspecht nicht. Allerdings ist sein klagendes Quäken vor allem in der Brutzeit zu hören.
Aufgrund seiner recht anspruchsvollen Lebensraumbedingungen ist der ortstreue Vogel seltener und nicht weit verbreitet. Er zieht warme Gegenden mit mildem Klima vor. Außerdem ist er stark an totholzreiche und ursprüngliche Wälder, vor allem mit hohem Anteil an alten Eichen, gebunden. Dies dient allen voran seiner Nahrungssuche als Grundlage, da er mit seinem relativ kurzen und nicht allzu kräftigen Schnabel schwer oder gar nicht an die Insekten unter der Borke herankommt und somit eher in Löchern und Ritzen im Holz nach ihnen stochert. Gerade im Winter benötigt er ein artenreiches Angebot an Kleintieren. Daher stellen die Zerstörung solcher Altholzwälder eine der größten Gefahren für den Mittelspecht dar.


Schwarzspecht (Dryocopus martius)

Schwarzspecht
Schwarzspecht (Foto: S. Böttinger)

Aussehen
Wie sein Name schon verrät ist der Schwarzspecht schwarz gefiedert. Nur auf seinem Kopf hat er eine leuchtend rote Färbung, die beim Männchen von der Stirn bis in den Nacken reicht und bei den Weibchen sich lediglich auf einen kleinen Fleck im Nacken beschränkt. Als größter einheimischer Specht kann er beinahe mit einer Krähe konkurrieren. Sein Schnabel ist weißgelblich, kräftig und sehr ausgeprägt. Mit diesem erzeugt er regelrechte Trommelwirbel, die 2 bis 3 Sekunden anhalten und aus etwa 17 Schlägen pro Sekunde bestehen können! Ansonsten äußert sich der Schwarzspecht gerne mit seinen lauten Rufreihen, die oft über größere Distanzen hörbar sind. Sein Flug erinnert an einen Eichelhäher.

Lebensraum
Normalerweise handelt es sich bei diesem Specht um einen ortstreuen Gesellen, der nur bei Nahrungsengpässe sein Revier hinter sich lässt. In Deutschland ist er vor allem in großen Wäldern verbreitet, wobei er große Bäume mit glatter Rinde und Altholzbestände bevorzugt. Gerade Nadel- und Mischwälder mit alten, kranken und abgestorbenen Baumstümpfen bieten ein sehr gutes Nahrungsareal für den Insektenliebhaber.
Als Höhlenbauer nimmt er eine wichtige Funktion im Ökosystem Wald ein, denn nicht nur seine eigene Art, sondern andere Höhlenbrüter profitieren von den verlassenen oder alten Höhlen. Beispielsweise ist die Hohltaube gebietsweise regelrecht auf den Schwarzspecht angewiesen.

Gefährdung
Obwohl der Schwarzspecht als nicht gefährdet gilt, stellt die moderne Waldwirtschaft, die Altholzbestände und ursprüngliche Wälder systematisch zerstört, eine ernstzunehmende Bedrohung dar.

Lebensweise
Bei der Nahrungssuche geht er nicht gerade zimperlich vor und hinterlässt deutlich sichtbare Spuren: So zerhackt er regelrecht morsche Baumstrünke oder entrindet Bäume mit Insektenbefall. Auch schlägt er bis zu 1m lange Schlitze in kernfaule Bäume, um zu den dort lebenden Ameisen zu gelangen.


Zaunkönig (Troglodytes troglodytes)

Zaunkönig
Zaunkönig (Foto: S. Böttinger)

Der Zaunkönig ist einer unserer kleinsten, aber auch lautstärksten Vögel, dessen Gesang oft schon im Februar zu hören ist. Beim Singen stellt das Vögelchen seinen Schwanz steil in die Höhe. Auffallend ist sein Nest, das er im offenen Wurzelbereich von Baumstämmen und ähnlichen geschützten Plätzen baut: Es ist kugelrund und besteht aus Moos, Ästchen und Grashalmen und besitzt ein kleines Einflugloch.
Zaunkönige besiedeln die gesamte nördliche Hemisphäre mit etlichen Unterarten (über 40, einige davon verdienen wohl eigenen Artstatus).

Stuttgarter Bestand
In Stuttgart ist er das ganze Jahr über anzutreffen. Im Winter mischen sich aber Gäste aus nördlicheren Brutgebieten unter die Standvögel. Denn die skandinavischen Zaunkönige räumen ihr Brutgebiet, das ungefähr bis zum Polarkreis reicht, nahezu komplett. Ein Teil unserer Zaunkönige weicht ebenfalls nach Süden aus und fliegt bis in den Mittelmeerraum. Hauptzugzeit ist der Oktober, wie Beobachtungen vom Grünen Heiner belegen. Der Zaunkönig ist in Stuttgart nicht bedroht und kommt hier in allen Wäldern vor, meidet aber im wesentlichen reine Nadelbaumbestände und bevorzugt feuchtere Standorte wie Bach- und Seeufer. Auch in Kleingärten und Parkanlagen (z.B. im oberen Cannstätter Kurpark) ist er gut vertreten. Mit geschätzten 1000 bis 1500 Revieren ist er einer der häufigsten Brutvögel Stuttgarts.


Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus)

Gartenrotschwanz Stgt-Solitude, Weibchen (links) und Männchen
Gartenrotschwanz Stgt-Solitude, Weibchen (links) und Männchen (Foto: S. Böttinger)

Der Gartenrotschwanz ist ein Langstreckenzieher, der in Stuttgart ab April zu beobachten ist und ab Mitte August wieder Richtung Afrika verschwindet. Bei Spätbeobachtungen bis Anfang/Mitte Oktober handelt es sich in der Regel um Durchzügler aus nördlichen Brutgebieten. (Beobachtungen in Stuttgart laut ornitho.de für 2012: 6.4. bis 26.9.; 2013: seit 8.4.)
In Stuttgart bewohnt er Streuobstwiesen und großzügiger angelegten Kleingartenanlagen. Schwerpunkte sind z.B. die Wangener Höhe, Stammheim-West, Hohe Wart oberhalb Feuerbachs und die Streuobstwiese Greutterwald. Wenige Einzelreviere befinden sich an Waldlichtungen (z.B. zwei im Reviere Rotwildpark). Der Stuttgarter Bestand beläuft sich auf ca. 400 bis 450 Brutpaare.

Lebensraum

Bei dem aparten Vogel – das Männchen zeigt eine herrliche Färbung – handelt es sich um einen Insektenfresser, der in Halbhöhlen- und Höhlen brütet. So mancher knorrige alte Obstbaum wird Wohnsitz der Gartenrotschwänzchen. Baden-Württemberg ist aufgrund der noch vorhandenen Streuobstwiesen ein Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland. Der Vogel stellt durchaus hohe Ansprüche an seinen Lebensraum. Er braucht ein Mosaik aus hochgewachsenen wie auch kurzrasigen Wiesen - in den ersteren entwickelt sich die Insektennahrung, in letzteren ist sie dann leicht zu erwischen. Erstaunlich: Im Norden Finnlands ist er eine der fünf häufigsten Arten und lebt in einem ganz anderem Biotop: Hier besiedelt er lockeren Nadelwald, vor allem Kiefer.

Gefahr für den Gartenrotschwanz

Gefährdet ist das Vögelchen in Stuttgart aus verschiedenen Gründen: Wo die Obstbaumwiesen nicht mehr gepflegt, sprich durch Nachpflanzungen erhalten werden, oder wo sie gar der Bebauung zum Opfer fallen, verliert der Gartenrotschwanz seine Bleibe. In Stuttgart ist bereits der Verlust einiger Brutgebiete zu beklagen (z. B. Langenäcker-Wiesert in Stammheim-Ost).


Gebirgsstelze (Motacilla cinerea)

Gebirgsstelze
Gebirgsstelze (Foto: S. Böttinger)

Die Gebirgsstelze fällt vor allem durch ihren gelben Bauch auf. Sie ist 17 bis 20 cm groß (also etwas größer als ein Spatz), sehr schlank und wippt wie alle Stelzen ständig mit ihrem Schwanz. Unsere langschwänzigste Stelze kommt keineswegs nur im Gebirge vor, ist aber eng ans Wasser gebunden. Sie bevorzugt naturnahe Flüsse und Bäche mit steinigen Stellen, wo sie in Nischen und Uferabbrüchen oder unter Brücken von März bis Juli ihr Nest bauen kann. Auf der Suche nach Insekten und kleinen Weichtieren watet sie flink durchs Wasser.

Lebensraum
Der Singvogel ist im gesamten eurasischen Raum mit einigen Lücken (z.B. in Finnland und im europäischen Russland) bis Japan in verschiedenen Unterarten verbreitet, meidet aber die hochnordischen und die subtropischen/tropischen Zonen. Den Winter verbringen viele mitteleuropäische Gebirgsstelzen am Mittelmeer und in Nordafrika. An günstigen Plätzen unseres Raums ziehen die Stelzen im Winter erst gar nicht fort; teils überwintern hier auch Zuzügler aus dem Norden. Vor allem im Oktober kann man in Stuttgart aktiv ziehende Gebirgsstelzen beobachten, allerdings selten mehr als zwei bis drei am Tag.

Vorkommen in Stuttgart
Vor allem unter Brücken nistet sich die Gebirgsstelze ein. Wahrscheinlich werden auch die verfallenden Uferbefestigungen des Neckarufers genutzt - sofern keine Überschwemmungsgefahr droht. In Zuffenhausen scheint eine Röhre, die den Feuerbach etliche Meter unterirdisch führt, als Brutplatz genutzt zu werden. Auch die wasserbaulichen Einrichtungen der Seen im Rotwildpark sind besiedelt. Der Bestand in Stuttgart liegt wohl unter 50 Revieren. Potentielle Gefahr geht für die Stuttgarter Gebirgsstelzen von gewässerbaulichen Maßnahmen aus.


Gelbkopfamazone (Amazona oratrix)

Gelbkopfamazone
Gelbkopfamazone (Foto: M. Schmolz)

Seit 1986 existiert in Stuttgart ein Brutvorkommen der Gelbkopfamazone (Amazona oratrix), das auf ein entflogenes und ein ausgewildertes Exemplar zurückgeht. Es kam aber auch nachfolgend wohl zu einzelnen Auswilderungen oder „Nachschub“. Lieblingsplätze der Amazonen sind die Wilhelma und vor allem die Innenstadt von Cannstatt, wo sie sich mit großem Geschrei bemerkbar machen. Nachdem in den 1990er Jahren ein stetiger Zuwachs zu verzeichnen war, konnten in den vergangenen fünf bis zehn Jahren keine wesentlichen Zunahmen mehr beobachtet werden. Gibt es tatsächlich keinen weiteren Zuwachs mehr? Eine konzertierter Zählung ergab im Januar 2011 dann 41 Amazonen an den Schlafbäumen in der Cannstatter Innenstadt. Im Dezember waren es noch 48 Vögel gewesen. Offenbar gibt es unbekannte Schlafplätze. Ende Januar wurde die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach Schlafbäumen gebeten. Dabei wurden Amazonen auch im Bereich Bubenbads / Gerokstraße (Stuttgart-Ost) gesichtet. Die Suche nach unbekannten Schlafplätzen wird fortgesetzt.

Die ausführliche Untersuchung finden Sie als Anhang.

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Zählung Gelbkopfamazonen
Gelbkopfamazonen_Stuttgart.pdf
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