Rotten Rabenvögel Singvögel aus?

Rabenvögel rotten nachweislich keine Kleinvögel aus. Der Rückgang einiger Vogelarten geht allein auf menschliches Tun zurück.

In einem Leserbrief vom August 2013 wird geschildert, dass häufig „kleine Vogelköpfe“ gefunden werden. Dies legt nahe, dass hier eine Katze am Werk war. Rabenvögel verschlucken Jungvögel am Stück, und an Altvögel kommen sie in aller Regel nicht heran. Katzen hingegen beißen gern gefangenen Vögeln die Köpfe ab und verzehren nicht das ganze Tier.

Untersuchungen (vor allem aus Amerika) legen nahe, dass streunende Katzen einen erheblichen großräumigen Bestandseinfluss auf Kleinvögel haben. Katzen sind ernstzunehmende Feinde auch ausgewachsener und flugfähiger Kleinvögel. Auch andere Prädatoren wie Marder sind bei den geschilderten Beobachtungen nicht vollständig auszuschließen – im Gegensatz zu Rabenvögeln, die hier sicher als Verursacher ausscheiden.

 

Auf Spurensuche:

Ornithologen verschiedener Verbände führen seit Jahren mit standardisierten Methoden Brutvogelerfassungen durch. Auf deren Basis werden verlässliche Hochrechnungen des Brutbestandes der Vogelarten in Deutschland gemacht.

Für Baden-Württemberg ergibt sich folgendes Bild:

Die Population der typischen stadtbewohnenden Kleinvogelarten (Haussperling Amsel, Blau-, Kohlmeise und Grünling) ist langfristig angestiegen bzw. mindestens gleich geblieben.

Der Bestand der Mönchsgrasmücke, die in den letzten Jahrzehnten massiv in die Städte eingewandert ist, hat sich deutlich erhöht. Und das, obwohl diese Art als Gebüschbrüter wie auch die Amsel von Nesträubern naturgemäß stärker bedroht ist als z. B. die höhlenbrütenden Meisen.

Zeitgleich haben die Bestände von Rabenkrähe und Elster zugenommen – vor allem in Siedlungsbereichen.

Auch in Stuttgart ergeben die Bestandserfassungen in den letzten Jahren keine auffälligen Veränderungen der Bestandsdichten unserer Kleinvögel. Die Dichten liegen im baden-württembergischen Durchschnitt für städtische Lebensräume.

 

Fazit:

Rabenkrähe und Elster haben nachweislich keinen großräumig negativen Einfluss auf die genannten Kleinvögel.

Kleinräumig ist es tatsächlich möglich, dass im Umfeld von vor allem Elsterbruten Kleinvögel zu leiden haben. Dies hat jedoch, die Zahlen beweisen es, keinen Einfluss auf die Gesamtpopulation. Vor allem gefährden Elstern und Rabenkrähen keine Altvögel. Jungvögel machen nur einen Bruchteil ihrer Nahrung aus – die Jagd auf sie ist diesen Nahrungsopportunisten viel zu mühselig.

 

Trends:

Die Gewinner

Die langfristig positiven Trends der genannten Kulturfolger lassen sich auf die Anpassungsleistung der Arten zurückführen, die sich neue Lebensräume erobert haben und z.T. ihre natürliche Scheu verloren haben. So sind Amseln, die sogar bis ins 19. Jahrhundert als ausgesprochen scheue Waldbewohner galten, massiv in die Städte eingewandert und erreichen hier z.T. deutlich höhere Bestandsdichten als im angestammten Waldlebensraum. Gleiches gilt für die Blaumeise, aber auch für die Elster, die aus der halboffenen Landschaft in die Städte eingewandert ist!

 

Die Verlierer

Andere Vogelarten im Siedlungsbereich gehen jedoch zurück. Besonders auffällig ist dies derzeit bei den Gebäudebrütern Haussperling, Mehl- und Rauchschwalbe sowie Mauersegler. Auch auf dem Feld und in der halboffenen Landschaft sind zum Teil gravierende Rückgänge bei stärker spezialisierten Arten festgestellt worden.

 

Gründe für den Rückgang sind:

Versiegelung des Bodens und die einseitige Bepflanzung von Grünflächen (zum Glück ist Stuttgart hier auf einem vorsichtig positiv zu bewertenden Weg). Hiermit werden den Vögeln die Nahrungsgrundlagen entzogen: Im Sommer können sich keine Insekten entwickeln, auf die viele Kleinvögel für die erfolgreiche Aufzucht ihrer Brut angewiesen sind. Im Winter fehlen Sämereien, die wir auch durch noch so umfangreiche Fütterung nicht

  • Fassaden- und Dachsanierungen: Glatte Stahlglasfassaden fallen als Brutplatz aus und sind Gefahrenquelle für fliegende Vögel, die hier häufig ihren Tod finden.
  • Ziergehölze und Rasen statt heimischer Sträucher und (Wild-)Blumenwiese (bevorzugt mehrjährig) bieten Insekten keine Nahrung. Und wo keine Insekten, da auch keine Kleinvögel.
  • Intensivlandwirtschaft und Flurbereinigung entziehen den Feldvögeln die Nahrungsgrundlage.

Die Rückgänge sind also durch Lebensraumverlust und damit allein von uns Menschen verursacht.

 

Eine Zusammenstellung rund um Rabenvögel bietet der angehängt Flyer. 

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NABU Flyer Rabenvögel
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