Unser Positionspapier zum Stuttgarter Wald

Der NABU Stuttgart hat die Situation in Stuttgarts Wäldern 2012 unter die Lupe genommen und daraus ein Positionspapier entwickelt. Aktuell (10/2018) wird das Positionspapier überarbeitet und soll bis Ende des Jahres auf einen neuen Stand gebracht werden. Zumindest unsere Forderung nach Habitatbäumen wurde bisher erfüllt.

 

Zusammenfassung

(Unser ausführliches Positionspapier (Stand Oktober 2018) finden Sie am Ende des Textes zum Download.)

  • Der Schutzstatus ausgewiesener FFH- und Naturschutzgebiete im Wald muss Vorrang vor der wirtschaftlichen Nutzung haben.
  • Die gegenwärtige forstwirtschaftliche Nutzung bedroht geschützte Arten:
  • Der Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenarten, aber auch der Erholungswert und die Möglichkeit von Naturerlebnissen müssen Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen innerhalb und außerhalb der Schutzgebiete haben.
  • Die besondere Verantwortung der Stadt für europaweit geschützte und gefährdete Höhlenbrüter wie Mittelspecht, Schwarzspecht und Halsbandschnäpper ist angemessen zu berücksichtigen – diese Vögel brüten auch außerhalb der Naturschutzgebiete und brauchen flächendeckend alte Bäume.
  • Es wird ein hoher Anteil Alt- und Totholz (AuT) auf der gesamten Fläche benötigt. Das AuT-Konzept des Landes sieht 15 Habitatbäume je drei Hektar vor. Um der besonderen Stuttgarter Verantwortung gerecht zu werden, sollten hier 20 Habitatbäume je drei Hektar das Maß der Dinge sein.
  • Um dem Insektenrückgang entgegenzuwirken, muss in Stuttgart das Lichtwaldkonzept von ForstBW umgesetzt werden und es sind Blühflächen mit regionalem Saatgut zu schaffen.
  • Forstwirtschaftliche Arbeiten sind zeitlich zu begrenzen (Holzeinschlag bis Ende Februar, Geländeräumung durch Privatlosbesitzer bis Mitte März). Keine weiteren Maßnahmen in der Brut- und Vegetationszeit bis September.
  • Die Verkehrssicherungspflicht darf nicht als Ausrede für vermehrten Holzeinschlag genutzt werden.
  • Der Wald ist ein Klimaregulator für Stuttgart. Dem ist auch in den forstwirtschaftlichen Planungen Rechnung zu tragen.

Der NABU fordert einen Nettozuwachs der vorhandenen Holzkubikmeter und eine Steigerung des gesamten Alt- und Totholzanteils über die Betrachtung von Habitatbäumen hinaus.

  • Waldrefugien und Habitatbaumgruppen sind zügig auszuweisen. Der Naturwaldanteil sollte 10, besser 20 % betragen. Da im Naturwald die Bäume älter werden dürfen, nehmen die Biomassevorräte, auch und gerade im Boden, zu. Diese Flächen leisten daher einen Beitrag zum Klimaschutz.
  • Der Wald muss stärker als Lernort begriffen werden.

 

Für alle genannten Aufgaben sind ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen bereitzu-

stellen; ggf. ist die Stelle eines/r Waldökolog*in zu schaffen – kein Sparen am falschen Platz!


Das Positionspapier zum Download

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NABU Stuttgart Posititonspapier zum Wald
NABU_Positionspapier_Wald_10_2018.pdf
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Pflanzliste heimische Gehölze

Tipps für den Naturgarten

Fremdländische Zier- und Nadelgehölze mögen fürs Auge schön sein, doch ökologisch sind sie den heimischen Art oft weit unterlegen. Weißdornfrüchte werden beispielsweise von 32 Vogelarten gefressen, die des verwandten nordamerikanischen Scharlachdorns jedoch nur von zwei Arten. Heimische Sträucher bieten unseren Vögeln ein reiches Nahrungs- und Nistplatzangebot. Auch zahlreiche, teils hochspezialisierte Insekten profitieren davon, weil sie hier Pollen und Nektar finden. Eine Auswahl an fruchttragenden Gehölzen, die für Vögel und andere Tiere wichtig sind, hat Experte Paul Epp zusammengestellt.

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Liste fruchttragender heimischer Sträucher
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Das Fällen geht weiter

Rotwildpark: Buche weicht aus Sicherheitsgründen

Gefällte Rotbuche (Foto: Dina Stahn)
Gefällte Rotbuche (Foto: Dina Stahn)

Das Naturschutzgebiet Rotwildpark ist um einen weiteren seiner schönsten Bäume ärmer. An der Ecke Bärensträßle/Schwarztorweg wurde eine der alten Buchen gefällt, weil laut Forstamt Wurzelfäule ihre Standsicherheit beeinträchtigte. Das 1939 ausgewiesene Naturschutzgebiet besitzt einen einzigartigen Altbaumbestand. Über 2500 Eichen und Buchen sind älter als 200 Jahre, einige Eichen um die 600 Jahre alt. Doch der Brandkrustenpilz und andere Gebrechen machen ihnen zu schaffen. Schon im vergangenen Jahr wurden rund 40 Bäume radikal gestutzt oder komplett gefällt. Wenn möglich, lässt das Forstamt den Torso aber stehen. Man ist sich seiner Verantwortung für den einzigartigen Altbaumbestand bewusst, muss aber Naturschutz und Sicherheit in Einklang bringen. Das wird auch weiterhin nicht ohne Säge gehen.