Eidechsen am Killesberg: Tod auf Raten?

NABU Stuttgart reicht Beschwerde bei der EU ein

Bereits seit Jahren bereiten die Eidechsenpopulationen in Stuttgart bzw. der Region den Planungs- und Bauabteilungen von Deutscher Bahn, Regierungspräsidium Stuttgart und Stadt Stuttgart Probleme. Mehrere, teils recht umfangreiche Gruppen dieser nach EU-Recht streng geschützten Tiere leben auf bisher unbebauten Flächen, gerne auch auf Schotterbereichen und Böschungen alter Bahntrassen. Im Zuge des Bahn- und Städtebauprojektes Stuttgart 21 sollen etliche dieser Lebensbereiche überbaut werden; bei vielen hat diese Biotopzerstörung bereits stattgefunden. Es kann davon ausgegangen werden, dass im Zuge dieser „Flächenumnutzung“ Hunderte, eventuell sogar Tausende Eidechsen unmittelbar oder mittelbar getötet wurden. Der europarechtliche Schutzstatus dieser Tiere wurde und wird massiv missachtet – insbesondere von Bahn und Behörden. Allerdings geben sich die Letztgenannten große Mühe, durch die Ausweisung von sogenannten Ersatzhabitaten den Eindruck zu erwecken, man sei sehr ernsthaft um das Wohl und Überleben dieser Tiere bemüht.

 

„Killer“-Berg: NABU protestiert bei EU

Eines dieser „Ersatzhabitate“ wurde nun im Bereich Killesberg am Rande zur Feuerbacher Heide errichtet: enorme Steinhaufen aus Millionen Tonnen Kalkgestein. Es ist beabsichtigt, dorthin ggf. Tausende der  streng geschützten Mauereidechsen aus Untertürkheim zu deportieren, die dem Bahnprojekt S21 im Weg sind.

Eidechsen-Umsiedlungen sind generell heikel, mitten in der Stadtlandschaft erst recht. Denn die scheuen Tagtiere lieben die Wärme. Auch Menschen, Hunde, Katzen und sonstiges Getier (z.B. Schlangen) lieben Wärme. Somit wird es zur Konkurrenz zwischen den Eidechsen und anderen Nutzern der aufgeschütteten Steinhäufen kommen, was den Umsiedlungserfolg der geschützten Tiere in Frage stellt. Nach Ansicht von Fachleuten besteht eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass der Killesberg für die Eidechsen zum "Killerberg" wird. Der NABU Stuttgart ist überzeugt, dass die durch eine Vielfalt ungeeigneter Maßnahmen verdeckte Tötung einer großen Anzahl von Individuen dem bestehenden Artenschutzrecht widerspricht. Er hat deshalb Beschwerde bei der EU eingereicht und wird zu geeigneter Zeit über weitere Schritte nach dem Umweltschadensrecht entscheiden.