Stefan Kress ist am Amphibienzaun in Stuttgart-Sonnenberg fündig geworden. An einem Tümpel lässt
er die Erdkröten frei. Foto: StZN/Schäfer
Es ist einer der ersten vorfrühlingshaften warmen Tage in diesem Jahr. Aber es ist noch frisch, als Stefan Kress am Morgen die gelbe Warnweste überzieht, Eimer und Teleskopstange in die Hand nimmt und losgeht. Immer den Zaun entlang. Der verläuft an der Falkenstraße in Stuttgart-Sonnenberg und soll verhindern, dass Amphibien wie Kröten, Frösche oder Molche den Tod unterm Autoreifen finden.
Die Saison der Krötenwanderung ist im vollen Gange. Die Amphibien zieht es zu ihren
Laichgewässern.
Vier Amphibienzäune betreut der Naturschutzbund (Nabu) in Stuttgart. In Sonnenberg kommen Erdkröten und Bergmolche vom Waldstück um den Hundsklingenweg und wollen
in die Teiche in Privatgärten, wo sie zur Welt kamen.

Noch braucht es also den 400 Meter langen Zaun – und Helfer wie Stefan Kress. Der 63-jährige Molekularbiologe gehört zum Vorstand des NABU in Stuttgart. Rund hundert Menschen gehen so wie er für den Stuttgarter NABU in der Krötenwanderungszeit morgens die Amphibienzäune ab.
In Baden-Württemberg steht mehr als die Hälfte der heimischen Amphibien- und Reptilienarten auf der Roten Liste. Von 21
in Deutschland heimischen Amphibienarten leben 19 in Baden-Württemberg.
Elf gelten als gefährdet – einige davon sind sogar akut vom Aussterben bedroht. Früher, sagt Kress, waren die Eimer
hinterm Zaun viel voller.
Amphibien haben es nicht leicht: Ihre Lebensräume werden immer kleiner, der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft macht ihnen zu schaffen, Straßen zerschneiden ihre Habitate. Dazu kommt der Klimawandel: Heiße, trockene Sommer lassen Gewässer austrocknen. Aus dem im Frühjahr abgelegten Laich werden ohne Wasser keine Kaulquappen – die Populationen werden kleiner.
Sorgen bereitet den NABU-Leuten, dass die sehr schlauen Waschbären die Kröteneimer für sich entdecken könnten. Anderswo in Deutschland gab es das schon. „Sie müssen ja einfach nur zugreifen – einfacher geht es für sie kaum.“ Waschbären häuten die Kröten vor dem Fressen sogar, um die giftige Haut zu umgehen. Bisher waren die Stuttgarter Waschbären, die sich hier wie überall in der Republik rasant vermehren, noch nicht so schlau. Kommen sie auf die Idee, müssen die Eimer mit einer besonderen Konstruktion gesichert werden.
So geht’s
Wer beim NABU in Stuttgart Amphibienhelfer werden möchte, schreibt eine Mail an [email protected] oder ruft bei der NABU-Geschäftsstelle (0711/62 69 44)
an.
Den ausführlichen Pressebericht zum Download finden Sie hier:


Im Herbst beginnt die Wanderung der Amphibien. Besonders bei feuchtem Wetter sind Frösche, Kröten & Co. unterwegs, um in ihre Winterquartiere zurückzukehren. Amphibien sind wechselwarme Tiere, d.h., ihre Körpertemperatur passt sich an die Umgebungstemperatur an. Deshalb sind sie gezwungen, den Winter in Lebensräumen zu verbringen, deren Temperatur und Luftfeuchte weitgehend gleich bleibt. Nur dann überstehen die Tiere die Winterruhe unbeschadet.Auf dem Weg zu ihren Winterquartieren droht ihnen allerdings oft der Tod auf den Straßen. Daher werden Amphibienschutzzäune errichtet, die die wandernden Amphibien am Überqueren der Straße hindern und die Tiere fallen in die am Zaun eingegrabenen Eimer.Die Helfer*innen des NABU Stuttgart kontrollierten vom 16.08.-31.10.2024 täglich den Amphibienschutzzaun an der Waldebene Ost und tragen die Tiere auf die andere Straßenseite, damit sie sicher in ihre Winterquartiere kommen.
Der Amphibienschutzzaun wurde vom 16. August bis 31. Oktober 2024 täglich kontrolliert. Insgesamt wurden 65 Amphibien in den aufgestellen Eimern gefunden und über
die Fahrbahn gebracht.

Die diesjährige Amphibienschutzsaison konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Viele Erdkröten, Salamander, Fröschen und andere Tiere wurden vor dem Straßentod gerettet.
In unseren vier Amphibienschutzgebieten Solitude, Frauenkopf, Falkenstraße und dem seit diesem Jahr neu dazugekommenen Gebiet Waldebene Ost haben ca. 50 Helfer*innen von Mitte Februar bis Mitte Mai täglich Straßenkontrollen durchgeführt. Morgens, noch vor 9 Uhr, wird dabei in jeden Eimer entlang der Zäune sorgfältig nachgeschaut und im Falle eines Fundes das Tier über die Straße getragen und wieder ausgesetzt. Dabei haben unsere Helfer*innen nicht nur Erdkröten, sondern auch Grasfrösche, Bergmolche und Feuersalamander angetroffen.
Bei der Anzahl der geretteten Amphibien hat vor allem das neue Gebiet, die Waldebene Ost besonders gut abgeschnitten:
Um nun auch auf der Wanderung ins Winterquartier die Tiere bestmöglich vor dem sicheren Tod auf der Straße zu bewahren, führen wir 2023 auch erstmalig während der Herbstwanderung Kontrollen an der Waldebene Ost durch.
Foto: Erdkröten, Kathy Büscher, NABU Rinteln, Erdkröte, Maria Ruland, NABU, Grasfrosch, Johann Gross, NABU, Bergmolch, Kathy Büscher, NABU,
Den Bau der Krötentunnel am Steinbachsee hat Werner Grieb (1. Foto oben links) fotografisch begleitet.